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Kollaboration und Vernetzung als Schlüsselkompetenzen für den digitalen Straßenbau

03.01.2019

Wer von der Digitalisierung im Straßenbau profitiert, warum vor allem öffentliche Auftraggeber einen Vorteil aus der Digitalisierung im Straßenbau ziehen und weshalb diese komplexe Aufgabe nur mit Wissens- und Informationsvernetzung gelöst werden kann.

Carina Bulz im Gespräch mit Frederik Tengg

 

Herr Tengg, welches sind, Ihrer Ansicht nach, die Vorteile der Digitalisierung im Straßenbau?

Die Vorteile der Digitalisierung sind nicht allein auf den Straßenbau beschränkt und in anderen Industrien bereits weitgehend umgesetzt, weshalb wir durch die dort geleistete Vorarbeit auch eine Vorschau in die Zukunft des Straßenbaus ableiten können. Wesentlicher Vorteil ist mit Bestimmtheit die enorme Einsparung von Ressourcen, da durch getrennte Arbeitsbereiche (Planung, Produktion, Transport, Einbau, Maschinenverwaltung, …) und somit unvollständiger Informationen der Ressourcenverbrauch unnötig hoch ist. Da die genauen Bedarfe entlang der Prozesse nicht abgestimmt sind, versucht man sich abzusichern oder die Flexibilität zu erhalten, indem man die Puffer bzw. Kapazitäten erhöht. Ein weiterer, nicht vernachlässigbarer Vorteil ist die im Zusammenhang mit der Digitalisierung stattfindende Qualitätssteigerung von Produkt und Dienstleistung. Diese beiden Vorteile ermöglichen schließlich den Fall einer Win-Win-Win-Situation. Auch hier ist es uns möglich, über den Tellerrand zu blicken und in anderen Branchen die eigene Zukunft zu sehen wie etwa im Hafen von Rotterdam. Dort haben sich verschiedene Spezialisten in der Logistikkette, welche alle nur über eine Teilinformation verfügten, vernetzt. Dies stellte sich als sehr effizient heraus. Und durch die Zusammenarbeit kamen alle weiter voran und es zogen alle einen Vorteil daraus, zum Vorteil der gesamten Region Limburg Nord.

 

Wie genau und für wen stellt sich eine solche Situation dar?

Im Straßenbau treffen sich Auftraggeber, Auftragnehmer, Subunternehmer und deren aller Mitarbeiter in einem Projekt. Die Reduktion der Ineffizienzen auf Grund mangelnder Planung und Information hat auf alle Teilnehmer positive Auswirkungen. Unternehmen im Straßenbau operieren aktuell mit einer Marge, wie sie gerade einmal im Einzelhandel üblich ist. Bereits ein kleiner Fehler in einem Bauprojekt kann den positiven Abschluss eines Projekts zunichtemachen. Die Zahlen vor allem bei Kleinprojekten sind erschreckend, diese machen aber rund 80 % des Gesamtvolumens aus. Die einzige wirkliche Chance für die Mehrheit aller Unternehmen, erfolgreiche Projekte durchzuführen, liegt schließlich in der Vermeidung von Verschwendung. Doch viel mehr liefert man sich einen ruinösen Wettbewerb, in dem man die Preise weiter senkt, um an Aufträge zu kommen. Digitalisierung jedoch ermöglicht sinnvoll zu sparen. Durch Digitalisierung sind aktuell bis zu 20 % Einsparung der Gesamtkosten bei Straßenbauprojekten und bis zu 30 % Einsparung bei Betreibern von Mischanlagen. Dies sind ökonomisch wie auch ökologisch überzeugende Argumente.

 

Wie übersetzen sich diese ökonomischen und ökologischen Vorteile auf die Menschen?

Für den Auftragnehmer, wie eben gesagt, bringt die Erhöhung der Marge Sicherheit, ein Effekt aus den Vorteilen Planungsicherheit, Prozesskostenkenntnis, Echtzeitinformation, Steuerbarkeit, Digitalisierung und vieles mehr. Das Wissen um die Prozesskosten, um welchen Preis man als Unternehmen überhaupt anbieten kann, damit ein profitabler Abschluss überhaupt gesichert ist, ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Als zweites hat Digitalisierung direkt messbare Auswirkungen auf die Mitarbeiter, auf deren Motivation und Zufriedenheit. Die Digitalisierung entstresst den Arbeitstag wesentlich, macht Arbeit planbar. Es ist ein enormer Unterschied zu analogen Baustellen, wo exakte Informationen fehlen, jeder sein eigenes Problem löst, dadurch allerdings Probleme anderswo im Ablauf schafft und das Arbeitsende stets „open end“ ist. Dies verursacht enorme Kosten und Unsicherheit und somit Stress. Digitalisierung bringt hier tatsächlich eine Aufwertung aller Tätigkeiten mit sich, ist aber auch mit großen Umstellungen für die Mitarbeiter verbunden. In der Praxis beginnen analoge Arbeitstage immer gleich, unerheblich, wie groß das Arbeitsaufkommen ist. Dieses Verhalten hat Folgen für den gesamten Bauablauf. Man kann sagen, dass sich ressourcenmäßig eine Mücke tatsächlich zu einem Elefanten auswächst. Digitalisierung fordert hier von den Menschen eine Verhaltensänderung, welche für ihn und sein soziales Gefüge allerdings mit großen Vorteilen verbunden ist. Die größte Dimension in der Reihe der Gewinner aber kommt dem dritten Teilnehmer in der Triple-Win-Situation zu bzw. dessen Millionen Teilnehmer, dem öffentlichen Sektor und damit wieder jedem Einzelnen wie Ihnen und mir.

 

Wie ist das zu verstehen?

Die meisten Straßenbauprojekte werden ja durch die öffentliche Hand vergeben bzw. finanziert. Hier sind Kosten, Umwelt wie auch soziales Wachstum entscheidende Kriterien. Kosten entstehen kurz gesagt durch den Bauauftrag und die Folgekosten des Bauauftrags. Die Folgekosten fallen dabei besonders schwer ins Gewicht. Wird nun der Bauauftrag selbst günstiger durchgeführt, dabei gleichzeitig die Qualität wesentlich erhöht, hat dies, zum Beispiel für Deutschland, in Summe einen Ersparniseffekt von mehreren Milliarden Euro pro Jahr. Milliarden, die Jahr für Jahr nicht für Infrastruktur ausgegeben werden müssen. Dies sind Ersparnisse, welche sich direkt in der CO2-Bilanz niederschlagen, in nicht entnommenen Rohstoffen und die Kassen des Bundes, der Länder und der Kommunen entlasten. Digitalisierung gerade im öffentlichen Bereich bzw. in direkt damit verbundenen Bereichen wie dem Straßenbau stützt somit indirekt den sozialen Unterbau der Gesellschaft, das Gesundheits- und Bildungssystem und vieles mehr. Diese Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen. Mit QSBW 4.0 (Anm. Qualitäts-Straßenbau Baden Württemberg 4.0) hat Baden- Württemberg nunmehr als erstes Bundesland Deutschlands Digitalisierung in die Ausschreibungen (von / für) verpflichtend aufgenommen.

 

Wie sieht Q Point die Zukunft der Digitalisierung im Straßenbau?

Erweitern wir den Fokus, sehen wir, dass die Digitalisierung noch am Anfang steht. Wir von Q Point hatten von Anfang an die gesamtheitliche Betrachtung der Bauprojekte im Sinn und unsere Prozesssteuerung dafür ausgelegt. Deshalb sind wir heute die einzigen, die eine echte dynamische Prozesssteuerung bieten. Spezialisten in einzelnen Prozessschritten gibt es viele, nur nützt es wenig, wenn die Gewinne von perfekt ausgeführten Prozessen an den Schnittstellen zu nachgelagterten Abläufen in einer Supply Chain verpuffen. Q Point hat die Effizienz des Gesamtbauwerks im Fokus und agiert hier am erfolgreichsten. Die zu Grunde liegende Problemlösung kann aber nicht alleine geschaffen werden, weshalb Q Point schon früh damit begonnen hat, ein Partnernetzwerk ins Leben zu rufen. Partnerschaftliche Vernetzung ist definitiv die Zukunft der Digitalisierung.

 

Wie kann man sich das vorstellen?

Wir von Q Point leben partnerschaftliche Vernetzung vor. Dies ist möglich, weil Q Point eine herstelleroffene und systemunabhängige Lösung ist. So kann sich jeder an Q Point anbinden und wir wenden uns auch aktiv an die besten der Branche und laden diese ein, am Partnernetzwerk teilzuhaben. Um noch einmal auf das Beispiel der Vernetzung in Rotterdam zurückzukommen: Partnerschaft ist effizienter, es ist klug, Wissen zu teilen, wesentlich schlauer, als wenn jedes Unternehmen denselben Weg selbst herausfinden muss. Jeder Partner profitiert. Untersuchungen zeigen, dass sich die Vernetzung von Unternehmen und Mitarbeitern auszahlt, denn Unternehmen, die stark auf Zusammenarbeit setzen, erzielen doppelt so hohe Zuwächse beim Umsatz und Ertrag im Vergleich zu Firmen, die eher konventionell vorgehen. Die einzige Frage ist: Ist jeder bereit, seine Karten auf den Tisch zu legen? Noch ist es so, dass von Digitalisierung oft eine vollkommen falsche Vorstellung existiert, dass man alles offen lege. Dies ist so nicht richtig. Im Wesentlichen funktioniert die Kooperation im Netzwerk nicht anders als im analogen Leben, wo man sich für Kooperationen ja auch austauschen muss. Es wird im Digitalen jedoch exakt nur die Information weiter gegeben, welche es zur unmittelbaren Verarbeitung des Prozesses braucht. Mit Q Point haben wir eine solche Plattform zur Vernetzung geschaffen, die jedem Marktteilnehmer offen steht und allen Teilnehmern einen maximalen Digitalisierungsgrad für Industrie 4.0 ermöglicht.

 

Wie würden Sie den Vorteil von Industrie 4.0 für die Bauunternehmen aus Ihrer Sicht konkret beschreiben?

Hier muss ich noch einmal auf die Offenheit des Q Point-Systems verweisen, welche letzten Endes Vorteile bringt, die sofort greifen: Mit uns kann ein Unternehmer seine bisherigen Investitionen in Industrie 4.0 einbinden und behält für die Zukunft seine Investitionsentscheidungen unabhängig. Q Point kann als Spezialist für die dynamische Prozesssteuerung durch seine Offenheit auch das Wissen der Besten in die Berechnungen der sehr komplexen Abläufe miteinbeziehen und dem Kunden das ganze Wissen eines Bauwerks in einfachen Grafiken sichtbar machen. Die Serviceleistung von Q Point besteht darin, eine Unmenge an Daten zu filtern und dem Kunden leicht erfassbar zur Verfügung zu stellen. Dies nicht einfach nur als nackte Zahl, sondern auch zu zeigen, wo im Toleranzbereich sich diese Zahl bewegt, wo im Zusammenhang mit dem gesamten Bauwerk diese steht oder einfach nur als einfache Soll-Ist-Interpretation. Die Serviceleistung ist effektiv, die Dokumentation der Baustellenabläufe und Qualitätskriterien erfolgt im Moment.  Ein partnerschaftliches Miteinander ist für Zukunftsfragen notwendig, sei es wegen volkswirtschaftlicher Aspekte, der geforderten Transparenz oder wegen aller anderen Vorteile rund um Sharing Economy.

 

Ich danke für das Gespräch.

Gerne.